Muss ich wirklich alles schaffen?

In diesem Artikel geht es um die Informationsgeilheit, den Perfektionismus, das Scheitern und das Loslassen von dem Glauben, alles schaffen zu müssen.

Informationsgeilheit

Ich bin ein Multi-Scanner Typ. Ich habe viele Leidenschaften wie das Schreiben, Musik produzieren, DJ, Grafikdesign, Online Business aufbauen und das Gründen und entwickeln von vielen weiteren Projekten. In letzter Zeit erwische ich mich jedoch öfter dabei, immer später mit etwas zu starten. Sei es Sport, einkaufen, lesen oder meine Selbstständigkeit weiter aufzubauen. Ich lese erstmal eine Stunde auf dem Smartphone in diversen Blogs, auf Facebook und Twitter. Daraus werden dann zwei oder auch drei Stunden, bis ich dann gar nichts mehr von dem vorgenommenen starte. Teilweise läuft abends noch der Fernseher mit interessanten Dokus aber ich lese weiter und schaue gar nicht hin. Ich habe Angst etwas zu verpassen. Das ist typisch für Multi-Scanner Persönlichkeiten und auch ein Punkt bei vielen hochsensiblen.

Immer mehr Menschen werden abhängig von ihren Smartphones. Ganz einfach und schnell sind dort alle möglichen Informationskanäle erreichbar. Die Abhängigkeit steigt. Mit schweren Folgen, denn so sozial wie Social Media suggeriert, sind wir dann auf einmal gar nicht mehr. Wir sollten uns selbst weniger Stress machen, bei allem dabei sein zu wollen. Was wollen wir überhaupt noch ernsthaft umsetzen und angehen? Ich schreibe im nächsten Artikel noch mehr zu der starken Droge, dem Smartphone.

Perfektionismus

Lange Zeit hatte ich ein Problem mit Perfektionismus. Ich kam nie so richtig ins Handeln. Ganz einfach, ich bin über 30 Jahre lang Angestellter in verschieden Unternehmen. Ich bin es einfach nicht gewohnt alles selbst zu entscheiden. Das musste ich ablegen. Ich muss bei allen meinen Projekten, selbst agieren und entscheiden. Es gibt auch keinen perfekten Zeitpunkt etwas anzufangen. Perfektionismus entsteht nur im Kopf. Man darf ihn nicht als Ausrede nehmen, nicht anzufangen. Ich muss auch mal scheitern, um daraus zu lernen und besser zu werden. In Deutschland hat man das Gefühl der absolute Verlierer zu sein, wenn man sein Scheitern zugibt.

Der Perfektionismus hat mich in vielen Lebensbereichen blockiert. Ich bin sehr ordentlich und sauber. Alles muss an Ort und Stelle stehen. Das hat mich genervt und ich habe mich sozusagen selbst therapiert. In Süden konnte ich meinen Perfektionismus sehr gut einschränken. Dort herrscht vielerorts das scheinbare Chaos und trotzdem funktioniert alles. Ich bekomme mein Mittagessen pünktlich auf den Tisch und der Bus, der oft zehn Minuten später kommt, erreicht doch noch pünktlich sein Ziel. Ich sehe mittlerweile alles etwas entspannter. Das habe ich praktisch vom Süden mitgenommen, wenn ich wieder in mein Nest zurück kehre und hier in der hektischen und ernsten Welt klar kommen muss.

Scheitern

So viele erfolgreiche Start-up-Gründer und allgemein erfolgreiche Menschen, die sich in rauen Mengen in unseren Medien präsentieren. Ebenso, wie entspannt Kaffee trinkende digitale Nomaden im Coworking Space und diejenigen, die nebenher noch unzählige Hobbys haben. Fernsehen ist natürlich keines davon. Das Verhältnis zur Familie und zum Partner? Herausragend. Die Freunde zutraulich und cool. Der Business Start? Mega erfolgreich. Was nie jemand sagt und zugibt: es ist in Ordnung, nicht alles zu erreichen. Haben die meisten selbst nicht einmal. Es ist in Ordnung, zu scheitern. Es ist in Ordnung, schon wieder Single zu sein, in seinem Job kürzer zutreten oder von Projekten auch mal abzusehen. Wir müssen es uns nur eingestehen. Am Anfang fühlt es sich richtig schlimm an. Man fühlt sich wie ein Versager. Alle ziehen alles durch und haben es geschafft, scheinbar.

Letztendlich ist das mit dem Durchhalten und Scheitern ganz einfach so: Es ist manchmal besser, einmal so richtig hinzufallen, um zu erkennen und aufzuwachen, als ständig zu stolpern und weiter zu humpeln. Scheitern gehört zum Leben und der Dalai Lama sagt: Gib nicht auf, sondern mache es beim nächsten Mal besser. Wir können viel von der Fehlerkultur der Asiaten lernen. Laufen lernt man durch Hinfallen, und eine gescheiterte Idee muss nicht das Ende aller Bemühungen sein. Manchmal ist es aber auch die beste Entscheidung, mit etwas komplett aufzuhören.

Muss ich wirklich alles schaffen?

Ich habe viele Dinge angefangen, viele davon abgeschlossen aber auch einige davon abgebrochen. Oft hatte ich danach ein schlechtes Gewissen. Die erfolgreichen Projekte und auch privaten Ziele, die ich erreicht habe, habe ich in mein Notizbuch geschrieben und siehe da, es kommt eine lange Liste zusammen. Bei den abgebrochenen Projekten habe ich gelernt loszulassen und vieles davon einfach zu verschieben. Die Idee von ausprobieren, hinfallen, aufstehen und eventuell auch loslassen, ist Gold wert. Ich muss also nicht alles sofort schaffen und kann auch mal eine Aufgabe komplett verschieben und nicht zu Ende bringen. Das muss man lernen. Wenn du nach zwei Wochen verzweifelt merkst, dass dir etwas gar keinen Spaß macht, lass es sein, verschiebe es und starte etwas Neues. Du solltest allerdings nicht vergessen, dass Familie, Beziehungen, Freunde, Hobbys und Projekte auch immer Arbeit bedeuten. Allerdings fühlt es sich meistens nicht wie Arbeit an und nicht alles kann Spaß machen.

 

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